ChatGPT nennt Unternehmen, Quellen und Experten aus unterschiedlichen Gründen. Was hinter der Suche passiert, entscheidet, wer auftaucht und warum dieselbe Frage nicht immer zur selben Antwort führt.
01. Deine Frage ist nicht die Suche
Was du ChatGPT fragst, ist nicht automatisch das, wonach ChatGPT sucht.
Bei ChatGPT Search ist dokumentiert, dass eine Nutzerfrage in eine oder mehrere gezielte Suchanfragen umgeschrieben werden kann. Nach den ersten Ergebnissen kann ChatGPT weitere, spezifischere Suchen starten. OpenAI nennt das Query Rewriting.
Das ist für Sichtbarkeit entscheidend. Denn damit wird aus einer einzigen sichtbaren Frage schnell ein größerer Suchraum. Wer nach einer „AEO-Agentur für Kanzleien“ fragt, kann Ergebnisse aus Suchanfragen bekommen, die ganz anders formuliert sind als der ursprüngliche Prompt.
Deine Frage ist also nur der Anfang. Die eigentliche Suche kann woanders weitergehen.
Quellen
OpenAI: ChatGPT Search
02. Dein ChatGPT ist nicht mein ChatGPT
Chatty kalibriert sich auf das Gespräch.
Schon der laufende Chat verändert, wie eine neue Frage verstanden wird. Kommt Memory dazu, fließen noch weitere gespeicherte Informationen ein. Bei der Websuche kann sich dadurch sogar die formulierte Suchanfrage verändern.
OpenAI dokumentiert genau das für Memory: Relevante gespeicherte Informationen können beim Query Rewriting verwendet werden. Zusätzlich kann ChatGPT den ungefähren Standort berücksichtigen und daraus spezifischere Suchanfragen machen.
Deshalb können zwei Menschen dieselbe Frage stellen und trotzdem unterschiedliche Wege durch die Suche nehmen.
ChatGPT antwortet nicht nur auf deine Frage. Es antwortet im Kontext.
Das ist auch der Grund, warum ein Test in einem frischen Chat etwas anderes zeigen kann als dieselbe Frage mitten in einem längeren Gespräch.
Quellen
OpenAI: ChatGPT Search
03. Chatty und Bing: Wer sucht hier eigentlich für wen?
Bing spielt bei ChatGPT Search eine echte Rolle.
Für Enterprise und Edu dokumentiert OpenAI ausdrücklich, dass Suchanfragen an die Suchmaschine Bing übermittelt werden können, um Webergebnisse abzurufen. In den allgemeinen Search-Dokumenten spricht OpenAI außerdem von mehreren externen Suchanbietern.
Also:
Bing ist wichtig. Aber Bing ist nicht ChatGPT.
Die offizielle Domain einer Entity muss nicht im Bing-Index sein, damit ChatGPT die Entity korrekt auflöst. Das haben wir selbst getestet.
Und noch etwas ist interessant: OpenAI betreibt mit dem OAI-SearchBot zusätzlich einen eigenen Search-Crawler. Wer ihn blockiert, verhindert, dass Seiteninhalte für Zusammenfassungen und Textausschnitte in ChatGPT Search gecrawlt werden. Gleichzeitig kann OpenAI URLs auch über externe Suchanbieter oder andere gecrawlte Seiten entdecken.
Das Bild ist also spannender als „ChatGPT sucht mit Bing“.
ChatGPT kann eigene Crawler nutzen, externe Suchanbieter ansprechen und Suchanfragen vorher selbst umformulieren.
Wer nur auf Bing schaut, sieht nur einen Teil der Suche.
Quellen
OpenAI: ChatGPT Search
OpenAI: ChatGPT Search for Enterprise and Edu
OpenAI: Publishers and Developers FAQ / OAI-SearchBot
richresults.ai: Google findet die Seiten. ChatGPT findet die Entität.
04. Finden. Zitieren. Empfehlen. Drei Welten in ChatGPT
Dass ChatGPT eine Seite findet, heißt noch nicht, dass sie in der Antwort auftaucht.
Dass sie als Quelle zitiert wird, heißt noch nicht, dass das Unternehmen empfohlen wird.
Und wenn ein Unternehmen genannt wird, muss die eigene Website nicht automatisch die sichtbare Quelle sein.
ChatGPT Search kann Ergebnisse aus dem Web abrufen und daraus eine Antwort mit Quellenlinks erzeugen. Die sichtbare Citation zeigt dem Nutzer, auf welche Quelle sich ein Teil der Antwort stützt.
Für Unternehmen entstehen daraus drei sehr unterschiedliche Fragen:
Werde ich gefunden?
Werde ich als Quelle verwendet?
Werde ich tatsächlich genannt oder empfohlen?
Das klingt ähnlich. Für AEO ist es aber ein großer Unterschied.
Eine Fachseite kann hervorragend als Quelle funktionieren, ohne dass die eigene Marke zur Empfehlung wird. Und eine Marke kann in einer Antwort auftauchen, obwohl die sichtbare Citation auf eine andere Quelle zeigt.
Sichtbarkeit ist nicht automatisch Citation. Citation ist nicht automatisch Recommendation.
Genau dort beginnt die nächste Frage:
Warum empfiehlt ChatGPT am Ende einen Anbieter und einen anderen nicht?
Quellen
OpenAI: ChatGPT Search
OpenAI: Publishers and Developers FAQ
05. When the shit hits the fan-out. Warum alle über Query Fan-Out reden
Query Fan-Out ist gerade einer der Lieblingsbegriffe im AI-Search-Marketing.
Das Problem: Der Begriff wird inzwischen oft für praktisch jede Form von KI-gestützter Suche verwendet.
Google meint damit etwas ziemlich Konkretes. In AI Mode zerlegt Google eine komplexe Frage in Unterthemen und startet dazu mehrere Suchanfragen parallel. Google nennt dieses Verfahren ausdrücklich Query Fan-Out.
Bei ChatGPT dokumentiert OpenAI dagegen Query Rewriting: Eine Frage wird in eine oder mehrere gezielte Suchanfragen umformuliert. Danach können weitere, spezifischere Suchen folgen.
Sieht ähnlich aus? Ja.
Ist deshalb alles Query Fan-Out? Nein.
Das ist genau der Punkt.
Google hat einen konkreten Begriff für sein Verfahren. OpenAI beschreibt für ChatGPT einen eigenen Suchprozess. Wer beides einfach unter „Fan-Out“ zusammenwirft, macht aus einem Produktbegriff eine Universaltheorie.
Und plötzlich erklärt „Query Fan-Out“ alles. Oder eben gar nichts mehr.
Quellen
Google: AI Mode / Query Fan-Out
OpenAI: ChatGPT Search